Was tun, wenn der Herzrhythmus aus dem Takt gerät?

Vorhofflimmern

Eine sehr häufige Herzrhythmusstörung der Vorhöfe ist das sogenannte Vorhofflimmern.

Diese Herzrhythmusstörung ist im höheren Alter häufiger als bei jüngeren Menschen (im Alter von 75-80 Jahren haben 10-20% aller Menschen Vorhofflimmern), sie kommt aber auch schon bei jungen Personen vor, wobei offensichtlich auch genetische Faktoren eine Rolle spielen. Vorhofflimmern ist bei einem Vorliegen von Grunderkrankungen des Herzens, z.B. nach einem Herzinfarkt, häufiger als bei gesunden Herzen.

Die Ursache der Rhythmusstörung sind kleine elektrische Herde, die sich im Bereich des Überganges der Vorhöfe zu den Lungenvenen befinden und über Extrasystolen und Mikro-Reentrymechanismen eine unregelmäßige Herzrhythmusstörung auslösen. Die Vorhöfe schlagen beim Vorhofflimmern schnell und unregelmäßig (350-600 Schläge pro Minute). Die Frequenz der Herzkammern -und damit des gefühlten und für den ganzen Körper entscheidenden Pulses- hängt davon ab, wie viele Vorhof-Aktionen der AV-Knoten auf die Herzkammer überleitet. Der Patient mit Vorhofflimmern kann deshalb einen schnellen, normalen oder langsamen Puls haben.

Der Arzt erkennt das Vorhofflimmern an dem unregelmäßigen Herzschlag des Patienten (sogenannte absolute Arrhythmie) in Kombination mit einem EKG, in dem keine geordneten Vorhof-Aktionen zu erkennen sind.

EKG-Beispiel Vorhofflimmern

Vorhofflimmern kann unangenehm sein und auch die Herzfunktion beeinträchtigen. Allerdings ist es nicht akut lebensbedrohlich. Das grundsätzliche Problem des Vorhofflimmerns liegt in der Gefahr, dass sich durch die unregelmäßigen, unkoordinierten Aktionen im Vorhof Blutgerinnsel (Thromben) bilden können, insbesondere im linken Herzohr. Das linke Herzohr ist eine kleine Aussackung des linken Vorhofs, in dem das Blut langsam fließt und in dem sich deshalb bei Vorhofflimmern nicht selten Thromben bilden. Man hat beobachtet, dass diese Thromben im linken Herzohr ein häufiger Auslöser für Schlaganfälle sind, da die Thromben auf dem direkten Blutweg in das Gehirn verschleppt werden können („embolisieren“) und dort Hirninfarkte verursachen. Um diese gefürchtete Komplikation des Vorhofflimmerns zu vermeiden, wird Patienten in der Regel geraten, Blutverdünner gegen die Bildung von Thromben einzunehmen. Das klassische Medikament hierfür ist das Marcumar. Seit einigen Jahren gibt es aber auch gute Alternativen zum Marcumar wie z.B. Apixaban, Rivaroxaban, Dabigatran oder Edoxaban. Nur bei jungen Patienten ohne Begleiterkrankungen kann in Anbetracht eines niedrigen Schlaganfall-Risikos auf eine dauerhafte Blutverdünnung bei Vorhofflimmern verzichtet werden.

Akut lässt sich das Vorhofflimmern durch eine sogenannte Kardioversion beenden. Dabei wird das Herz entweder durch einen kurzen elektrischen Schock in Kurznarkose des Patienten oder durch die Gabe eines Medikamentes wieder in den normalen Sinusrhythmus zurückholt. Beide Formen der Kardioversion sollten erst erfolgen, nachdem zuvor durch eine Schluck-Ultraschalluntersuchung Thromben im Herzen (vor allem im linken Herzohr) ausgeschlossen wurden.

Falls es nach einer Kardioversion immer wieder zu erneutem Vorhofflimmern kommt, kann gemeinsam mit dem Patienten die Entscheidung zu einer „Verödung“ (Ablation) mittels Herzkatheter getroffen werden. Mit dieser relativ neuen und hochspezialisierten Methode können Kardiologen heutzutage die kleinen elektrischen Herde im Bereich der Lungenvenen, die für das Vorhofflimmern verantwortlich sind, elektrisch isolieren und damit die Erkrankung zur Heilung bringen („Pulmonalvenenisolation“).

Kammerflimmern

Im Gegensatz zu den Vorhof-Rhythmusstörungen sind anhaltende schnelle Herzrhythmusstörungen der Herzkammern in der Regel lebensbedrohlich. Die gefährlichste Form ist das Kammerflimmern. Bei einem Kammerflimmern laufen in den Herzkammern ungeordnete (chaotische) schnelle Erregungen ab (300-800 pro Minute), die dazu führen, dass das Herz nicht mehr effektiv Blut pumpen kann und der Kreislauf des Patienten einbricht. Ohne Behandlung führt das Kammerflimmern innerhalb von Minuten zum Tod.

EKG-Beispiel Kammerflimmern

Legende: Der EKG-Streifen zeigt zunächst Kammerflimmern (chaotische schnelle Flimmerwellen). Dann wird eine Defibrillation durchgeführt (Pfeil) und es setzt wieder ein normaler Herzschlag (Sinusrhythmus) ein.

Kammerflimmern ist eine typische Komplikation des plötzlichen Gefäßverschlusses bei einem akuten Herzinfarkt und eine der wichtigsten Ursachen, warum Menschen mit Herzinfarkt sterben. Es gibt jedoch eine Möglichkeit, Leben zu retten:

Eine Defibrillation, das heißt ein Stromstoß mit 150 bis 360 Joule durch einen Defibrillator verabreicht, der das Chaos der „Flimmerwellen“ durchbricht. Vergleichbar mit dem „Reset“ eines Computers kommt es nach dem Stromstoß zu einem Neustart des Herzens, bei dem der Sinusknoten wieder mit seinen geordneten Herzaktionen beginnen kann.

Jeder, der einmal eine Defibrillation durchgeführt hat, wird bestätigen, wie faszinierend es ist, einen bewusstlosen Menschen mit Kammerflimmern, der keinen Kreislauf mehr hat, durch einen einfachen Stromstoß wieder ins Leben zurückzuholen.

Es gibt Menschen, die auch außerhalb eines akuten Herzinfarktes ein erhöhtes Risiko für Kammerflimmern haben. Das sind Personen mit fortgeschrittener Herzschwäche und niedriger Ejektionsfraktion des Herzens (z.B. als Folge eines früher abgelaufenen Herzinfarktes) oder Personen mit speziellen Grunderkrankungen des Herzens (wie der sogenannten hypertrophen Kardiomyopathie oder dem sogenannten Brugada-Syndrom). Bei diesen Patienten muss abgewogen werden, ob ein permanenter Defibrillator als dauerhafter Schutz vor Kammerflimmern eingesetzt werden soll. Der Defibrillator (engl. implantable cardioverter defibrillator ICD oder umgangssprachlich „Defi“ wird (in örtlicher Betäubung) im Bereich der Schulter unter die Haut bzw. den Muskel eingesetzt und verbleibt hier dauerhaft, um den Patienten vor einem plötzlichen Herztod durch Kammerflimmern zu schützen. Im Bereich der Schulter befindet sich nach der Operation das „Aggregat“ des ICDs, ein kleines, etwas streichholzgroßes Gehäuse, das die Batterie und den elektronischen Schaltkreis des Gerätes beinhaltet. An das Aggregat sind Elektrodenkabel angeschlossen, die bei der Operation über die großen Venen zum Herzen geführt wurden und die die Impulse zwischen Herz und Aggregat hin und her leiten. Das Gerät überwacht ständig den Herzrhythmus und kann eine Schocktherapie (Defibrillation) durchführen, wenn es Kammerflimmern erkennt.

Der ICD ist somit für viele Menschen mit Herzerkrankungen die „Lebensversicherung“, die davor schützt, an einem Herztod durch Kammerflimmern zu sterben.

Wenn das Herz zu langsam schlägt

Aber auch ein zu langsamer Puls („Bradykardie“) kann zu Problemen führen.

Das Herz muss mit einem gewissen Tempo schlagen, damit ein effektiver Kreislauf zur Blutversorgung der Organe, vor allem des Gehirnes, aufrechterhalten werden kann.

Bei einigen Menschen kommt es bereits ab einem Puls von unter 50 Schlägen pro Minute zu Beschwerden wie Schwindel oder kurzer Bewusstlosigkeit. Wenn der Herzschlag noch weiter sinkt (also auf einen Puls unter 30-40 Schläge pro Minute), treten solche Beschwerden bei jedem Menschen auf.

Schlimmstenfalls setzt der Herzschlag für längere Zeit ganz aus, so dass kein Herzschlag der Herzkammern mehr stattfindet. In diesem Fall spricht man von einer sogenannten Asystolie. Diese Situation ist ein Notfall, der sofort behandelt werden muss, da sonst der Patient (ähnlich wie beim Kammerflimmern) schnell bewusstlos wird und innerhalb von wenigen Minuten verstirbt. 

EKG-Beispiel Bradykardie

Legende: Der EKG-Streifen beginnt mit einer normalen Herzfrequenz, dann kommt es aber plötzlich zu einer Bradykardie (AV-Block) mit langsamem Puls (Pfeil), die bei dem Patienten starken Schwindel verursacht hat. Nach dieser EKG-Aufzeichnung wurde dem Patienten ein Herzschrittmacher eingesetzt.

Die effektivste Behandlung von langsamen Herzrhythmusstörungen ist das Einsetzen eines Herzschrittmachers. Herzschrittmacher können im Notfall sehr schnell -als sogenannte „passagere“ Schrittmacher zur Überbrückung der Notfallsituation- über eine Vene des Halses, des Schulterbereiches oder der Leiste zum Herzen eingeschwemmt werden. Die Herzschrittmacher geben über ihre Elektrodenkabel kleine elektrische Impulse an das Herz ab, die die Herzmuskulatur anregen, sich zusammenzuziehen und Blut zu pumpen. Man kann den Herzschrittmacher dann auf einen bestimmten Puls einstellen und somit bewirken, dass das Herz z.B. mit einer Herzfrequenz von 60 Schlägen oder 80 Schlägen pro Minute schlägt.

Die passageren Schrittmacher werden entweder im Verlauf wieder entfernt, wenn die langsame Herzrhythmusstörung nicht mehr auftritt oder sie werden durch einen dauerhaften („permanenten“) Herzschrittmacher ersetzt, der in einer kleinen Operation in örtlicher Betäubung (ähnlich wie ein ICD) eingesetzt wird.

Bild eines Herzschrittmachers (mit Kabeln)

Zum Größenvergleich wurde eine Büroklammer danebengelegt.

Da die Elektrodenkabel der Herzschrittmacher manchmal zu Problemen führen (z.B. Infektionen oder Kabelbrüche) hat man mittlerweile auch schon kleine kabellose Herzschrittmacher entwickelt, die bisher aber nur bei bestimmten Patienten und Rhythmusstörungen eingesetzt werden können.

Bild eines kleinen kabellosen Herzschrittmachers

Zum Größenvergleich wurde eine Büroklammer danebengelegt.

Für sehr viele Menschen ist das Leben mit einem eingesetzten Herzschrittmacher Normalität. Der Schrittmacher überwacht ständig den Herzrhythmus und setzt ein, sobald der Puls zu langsam wird. Die Aktivität des Schrittmachers ist für den Patienten nicht spürbar. Mittlerweile gibt es viele verschiedene Modelle von Herzschrittmachern und sehr spezialisierte elektronische Schaltkreise und Algorithmen, die eine möglichst normale Herzaktion ermöglichen, obwohl ein Schrittmacher aktiv ist.

Schrittmacher-Patienten sollten regelmäßig zur Kontrolle des Gerätes zu einem Kardiologen gehen, damit die Funktionen des Schrittmachers optimal eingestellt sind und damit erkannt wird, wann die Batterie des Gerätes in einem kleinen Eingriff gewechselt werden muss (in der Regel hält die Batterie etwa 6 bis 10 Jahren je nach Aktivität des Schrittmachers).

Kontaktaufnahme

Die Ansprechpartner:innen für Untersuchungen und Behandlungen der verschiedenen Herzerkrankungen am Klinikum Links der Weser, Klinikverbund Bremen, Gesundheit Nord gGmbH finden Sie auf der folgenden Homepage: 

Hier finden Sie auch die Kontaktdaten der entsprechenden Sekretariate zur Anmeldung.